Mobiler Koffergrill: Ulmer Ingenieur gewinnt Gründerwettbewerb

Benjamin Geywitz hat mit seiner Erfindung die Jury beim IHK-Regionalentscheid des „Startup BW Elevator Pitch“ überzeugt. Und sich damit gegen neun Mitbewerber durchgesetzt. Wie kam er auf die Idee?

Mobiler Koffergrill: Ulmer Ingenieur gewinnt Gründerwettbewerb

Nur drei Minuten hatte der 35-jährige Benjamin Geywitz aus Ulm-Einsingen Zeit, um die Jury von seiner Idee eines mobilen Koffergrills zu überzeugen. Einem Grill, den er mit seinem 36-jährigen Geschäftspartner und Nachbarn seit frühester Kindheit, Willi Dyck, „DG Drago Grill“ nannte. Der Grill ist angeblich besonders langlebig. Und durch seine vertikale Kohlekammer mit Kamineffekt soll er von alleine anbrennen - die Kohle von alleine durchglühen. Die beiden leidenschaftlichen Hobbygriller haben Kinder. Benjamin: „Wir wollten auch nicht, dass sie beim Grillen immer den ganzen Rauch und spritzendes Fett abbekommen, wenn Fett in die Glut tropft.“

Als bei Iveco Magirus ausgebildeter Industriemechaniker und Absolvent des Ulmer Hochschul-Studiengangs „Fahrzeugtechnik“ war seine natürliche Reaktion dann diese: „Ich habe mich einfach an den Computer gesetzt und Prototypen konstruiert.“ 14 verschiedene wurden am Ende gebaut. Wichtig war ihm dabei auch, dass Fleischesser, Veganer, Vegetarier und auch seine zahlreichen muslimischen Freunde, die kein Schweinefleisch essen, einen Grill gemeinsam benutzen können. „Es gibt getrennte Bereiche, sodass Gemüsespieße nicht mit Fleisch in Berührung kommen.“

Die größte Herausforderung war die Temperatur. „Wir haben eine professionelle Temperaturmessung durchgeführt. 800 Grad muss er aushalten können ohne sich zu verformen.“ Das Material musste also sehr hochwertig sein. Edelstahl. Benjamin aber hat festgestellt, dass sich der 0,8 Millimeter dicke, beschichtete Stahl mancher chinesischer Grills bei Hitze verzieht. Er entschied sich für V2A-Stahl, ein geläufiger Edelstahl, der 1.200 Grad aushält; nicht „wegrostet“.

Die Praxistests waren hart für den Grill: Benjamin schickte ihn auf Reisen, mit seinen Freunden an den italienischen Fluss Po. Sie sollten ihn malträtierten. Eine Woche lang konfrontierten sie ihn also mit mit Sand, stellten ihn ins Wasser und machten ein Lagerfeuer darin. Benjamin: „Das klappte gut. Gerade auch für Lagerfeuer ist der Grill gut, denn er steht ja auf Beinen, einen halben Meter über dem Boden.“ So kann er keine Waldbrände entfachen. Die Stresstest schlechthin war aber: Benjamin überfuhr den Grill mit dem Auto. 480 Kilo - hielt er aus.

Ein großes Problem blieb nach allem: Der verwendete Edelstahl ist sehr teuer. Also tüftelte Benjamin ein Jahr lang an der Rezeptur, aber auch an der Herstellung. Der 2,5 bis 3 Millimeter dicke Stahl sollte künftig maschinell gelasert und abgekantet werden, sodass nur noch per Hand geschweißt werden musste. 299 Euro kostet der Grill, verkündete er beim Elevator Pitch.

Nachdem der DG Drago Grill dort das Rennen gemacht hatte, hätten sich Investoren und interessierte Kooperationspartner gemeldet, erzählt Benjamin. Ein Kohlehersteller etwa. „Er produziert Kohle aus Kokosnusschalen aus Sri Lanka, die normalerweise weggeworfen werden. Die Kohle brennt sehr lange und erzeugt kaum Asche.“

Bis der Grill in die Serienproduktion kann, wird es allerdings noch etwas dauern. Wer nicht mehr bis nächsten Sommer warten will, kann sich dennoch schon ab Juni einen für die Grillsaison 2019 für unter 300 Euro ordern.

Info:

Am 4. Juli findet das Finale des Startup BW Elevator Pitch in Karlsruhe statt. Außerdem ist der DG Drago Grill nominiert für den Artur-Fischer-Erfinderporeis des Landes Baden-Württemberg.

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