Junger Ulmer entwickelt intelligentes Shirt gegen Nackenschmerzen

Zu lange vor dem Rechner gesessen und alles tut weh? Constantin Diesch aus Ulm hat ein Oberteil entwickelt, das Bescheid gibt, wenn man mal wieder Schultern und Nacken verspannt sind.

Junger Ulmer entwickelt intelligentes Shirt gegen Nackenschmerzen

Jeder kennt das: Man sitzt vor dem Bildschirm im Büro oder zu Hause am Schreibtisch, nicht eine Stunde, nicht zwei Stunden - meist mehrere Stunden. Zeit, in der wir oft gar nicht merken, wie wir unseren Kopf-Nacken-Bereich verspannen, wie wir die Schulter immer wieder zusammenziehen.

Könnte unser Körper mit uns reden, würde er uns immer wieder schimpfen: Entspann dich, Schultern runter! Denn Schultermuskeln werden durch das Zusammenziehen mit Sauerstoff unterversorgt und verhärten so. Die Sprache unseres Körpers ist aber eine andere: Er kommuniziert in Form von Nackenschmerzen mit uns.

Platine im Shirt

Damit soll jetzt Schluss sein. Constantin Diesch hat ein Shirt entwickelt, das Bescheid gibt, wenn wir uns mal wieder verspannen. Eine Erfindung, die vielen in Zukunft helfen könnte: „Mehr als 50 Prozent der Deutschen haben Schulter-Nacken-Probleme“, sagt der 29-jährige Medizintechnik-Absolvent der Ulmer Hochschule. Er integriert in seine Spezial-Shirts eine drei bis vier Zentimeter Platine zwischen den Schulterblättern, die über ein Textilkabel zum Sensor in der Schulterpartie führt.

Wandern die Schultern hoch, gibt’s eine Erinnerung - via Vibration des Sensors am Shirt oder über die entsprechende App auf dem Handy. Dort ist auch die Variante „optisches Signal“ möglich. Die App rät dann zur Pause und liefert gleich passende Video-Anleitungen für Übungen mit. Das ist Constantin Diesch wichtig: „Zu merken, aha, da mache ich gerade etwas falsch und es selbst zu richten, bevor die Folgeschäden passieren. Die Körperwahrnehmung wird dadurch geschult.“ Irgendwann soll der Träger auch ohne Shirt merken, wenn er die Schultern anspannt.

Das Shirt lässt sich nicht austricksen

Doch wie merkt der Sensor, wann er Bescheid geben soll? Schlägt er bei jedem Recken und Strecken Alarm? Der Erfinder erklärt: „Er trackt ständig den Winkel von Kopf zu Schulterposition. Erst nach einer gewissen Zeit gibt er ein Signal.“ Kurz die Arme strecken, sei also kein Problem. Das Shirt ist ja mit künstlicher Intelligenz ausgestattet.

Tag und Nacht am Tüfteln

Feiertage, Wochenende - das gibt es für Constantin Diesch gerade wenig. Warum auch? „Das hier ist sowas wie mein Baby!“ Mit Ende zwanzig mache er beruflich genau das, was ihn erfüllt und antreibt. Nach seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten, bei der er festgestellt hat, dass ihn die elektronischen Trainingsgeräte extrem interessieren, und einer anschließenden Weltreise, studierte er Medizintechnik in Ulm. Und weil er auch noch einen großen Freiheitsdrang, Erfindergeist und eine Bastlernatur in sich trägt, hat er alles miteinander verbunden und wegen des Shirts ein Start-up an der Hochschule gegründet. Dafür hat er auch den Informatiker Lukas Kühnbach, Sandy Müller fürs Marketing und den Betriebswirtschaftler Kevin Liebholz ins Team geholt.

Mieten statt kaufen

„Equil“ haben sie das Business genannt - die Slogans: „Dein T-Shirt weiß, bevor du es weißt, dass Du erschöpft bist“ und „Protect your neck“. Logo und Homepage gibt es auch schon, ebenso einen Auftritt in der WDR-Sendung „Doc Esser“, in der ein Arzt eine Folge lang ein bestimmtes Medizinprodukt testet. Ganz frisch kam nun der Bescheid: Equil erhält die Förderung in Höhe von 135.000 Euro vom Bund.

Mit dem Geld will Diesch den Prototyp perfektionieren, damit er mit dem Shirt in Produktion gehen kann und schließlich auf den Markt. Unternehmen können dann im Rahmen der betrieblichen Gesundheits-Vorsorge in die Equil-Shirts investieren, potenzielle Kunden sind auch Selbstzahler, Arztpraxen und Sanitätshäuser. Der Träger mietet das Shirt - anstatt es zu kaufen: 19 Euro kostet die Nutzung im Monat. Man muss nicht wochenlang dasselbe Shirt anhaben. Man kann es waschen.

Volle Konzentration auf das Projekt

Ein Masterstudium will Constantin Diesch nun nicht mehr an seinen Medizintechnik-Bachelor anschließen. „Das hier bringt mir viel mehr. Was ich mit dem Ding jetzt schon gelernt habe, kann man im Studium nicht lernen. Allein schon die Entwicklung von der Elektronik, mit Personen umzugehen, sich zu präsentieren, Gespräche mit Geschäftsführern zu führen, zu schauen, worauf kommt es denn an, im Vertriebsbereich… Das sind Sachen, die mir keiner mehr nehmen kann.

Und wenn man etwas arbeitet, auf das man richtig Bock hat, dann lernt man auch viel mehr!“

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