Zeitreise in die 50er! Kunst-Duo gibt historische Führungen durch Ulm

Ulm mal anders: Der Kunsthistoriker Peter Liptau beleuchtet mit der Künstlerin Cora Schönemann die Geschichte der Donaustadt in der Nachkriegszeit. Bei ihren Führungen bringen sie interessante Details und ungewöhnliche Anekdoten ans Tageslicht.

Zeitreise in die 50er! Kunst-Duo gibt historische Führungen durch Ulm

„Unsere Idee ist es, Orte, die für die Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre typisch sind, wieder aufleben zu lassen“, bringt es Projektleiter Peter Liptau auf den Punkt. Vergangenes Jahr haben der Kunst- und Architekturhistoriker und die Konzeptkünstlerin Cora Schönemann das Kultur-Projekt auf die Beine gestellt. Dabei stehen – entsprechend dem Namen – vor allem die 1950er Jahre im Fokus.

„Wir lassen Geschichte und Geschichten der Stadt sowohl online als auch live auf kulturhistorischen Touren aufleben“, sagt Schönemann. Sie verweist auf die sechs Stadtteilführungen zwischen Juli und September. Letztes Jahr sind die Orte mit unterschiedlichen Veranstaltungen bespielt worden, jetzt werden sie erklärt. Gerne im Austausch mit den Tourteilnehmern.

Vielfältiges Programm

Nichts Fertiges wird aufgetischt, es geht um neue Blickwinkel, um eine neue Bewusstwerdung verschiedenster Facetten der Zeit des Gummibaums und des Wirtschaftswunders: „Neben der Architekturgeschichte betrachten wir soziale, sozialpolitische und kulturelle Hintergründe“, sagt Liptau.

Die Oststadt neu beleuchtet

Im Juli war eine Oststadttour dran. Die Tour-Teilnehmer waren so vielfältig wie das Programm - die Spanne reichte von neugierigen Bürgern bis zu echten Kunst-Kennern. „Es soll keine monologische Führung sein“, betont Liptau, am Treffpunkt Museum Brot und Kultur.

Er und Schönemann ergänzen sich bei dem zweistündigen Rundgang mit vielseitigen Ausführungen, von wissenschaftlich fundiert bis hin zu humorigen Anekdoten. Der Weg zu verschiedenen Stationen geht vorbei an Nebenstationen, die der Runde gleichfalls Aspekte der Gesellschaft in der Nachkriegszeit eröffnen. Darunter die ehemalige Handelsschule Merkur und ein Kriegerdenkmal in der Karlstraße.

Vom Museum bis zum Bordell

Beim Museum für Brot und Kunst erinnert das Gummibaum-Duo der Gebrüder Eiselen. Sie gründeten 1951 das ursprünglich Brotmuseum genannte Museum: „Die Bekämpfung des Hungers war zentral in Zeiten des Mangel“, unterstreicht Schönemann. Das Frauenwohnheim am Karlsplatz, auch Drachenburg genannt, gibt ein Sittenbild über die damalige Rolle der Frau.

Hier arbeitende Frauen, die in dem Haus eine Wohnung fanden, dort in der Karlstraße das Eden, das nicht zuletzt amerikanische Soldaten als „Special Services Club“ schätzten: „Eine Geschichte des Vergnügens mit bitterer Note wie Prostitution“, bemerkt Schönemann – der heutige Eden-Bau erfolgte in den 50er Jahren, nachdem dort einst vor den Mauern der Stadt ein Ausflugslokal war.

Die Wirtschaft Ulms wird beim Mayser-Werk beleuchtet. Mit der baulichen Modernität der Zundeltor-Apotheke beendet Liptau am Willy-Brand-Platz die Tour – und den ganz anderen Blick auf Ulm. Was wohl die nächste Runde auf dem Eselsberg ans Licht bringt? (Autorin: Petra Starzmann)

Info

Die nächsten Touren finden an folgenden Terminen statt.

- Eselsberg: Mittwoch, 28. August und Mittwoch, 4. September
- Weststadt/Söflingen: Donnerstag, 29. August
-Stadtmitte: Donnerstag, 5. September

Treffpunkt ist immer um 18 Uhr. Die Führungen sind kostenlos. Weitere Informationen gibt es hier.

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