Debatte um R.-Kelly-Auftritt in Neu-Ulm

Seinen Hit „I believe I can fly“ sagen um die Jahrtausendwende viele mit. Jetzt kommt R. Kelly für ein Konzert nach Neu-Ulm. Nur: Der Sänger steht unter Missbrauchsverdacht.

Debatte um R.-Kelly-Auftritt in Neu-Ulm

Für so manches Kind der 80er- und 90er-Jahre ist es eine tolle Nachricht: R. Kelly kommt am 12. April nach Neu-Ulm. Der Sänger ist einer der erfolgreichsten Musiker der Gegenwart, er verkaufte 150 Millionen Tonträger. Dass er eins von zwei Deutschland-Konzerten in Neu-Ulm gibt, ist eine kleine Sensation.

Allerdings wird nicht nur deshalb momentan aufgeregt getuschelt. Denn R. Kelly kommt nur deshalb nach Neu-Ulm, weil er zuvor in Sindelfingen rausgeflogen ist. Die dortige Konzerthalle sagte Kellys Auftritt ab - weil gegen den Sänger aktuell wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt wird. Allerdings war Sindelfingen auch nur zweite Wahl; zuvor war Kellys Konzert bereits in Ludwigsburg abgesagt worden. Auch in anderen Städten wird immer wieder gegen Konzerte des 52-Jährigen mobil gemacht.

Warum ist Kelly so unbeliebt?

Zwei US-Bundesstaaten und die Bundesbehörde FBI haben Kelly aktuell im Visier, ähnliche Vorwürfe gibt es aber schon seit Jahrzehnten. So soll Kelly ein Faible für Minderjährige haben. 1994 hatte er eine Beziehung mit einer Minderjährigen. Er heiratete die damals 15-jährige Aaliyah sogar - die Hochzeit wurde aber nach einigen Monaten annulliert. Seitdem halten sich hartnäckig Gerüchte und Geschichten um den Sänger. Am 15. Juni 2008 wurde Kelly sechs Jahre nach Anklageerhebung vom Vorwurf der Kinderpornografie freigesprochen. Aktuell leben die Vorwürfe wieder auf, weil in den USA eine sechsteilige Fernsehdokumentation erschien unter dem Titel „Surviving R. Kelly“. Darin äußern sich angebliche Missbrauchsopfer.

Was sagt die Ratiopharm-Arena?

Die Arena ist nicht Veranstalter, sondern „nur“ Austragungsort des Konzerts. Als solche hat sie auf Facebook ein Statement abgegeben, in dem es heißt:

Jeder (insbesondere: jede Frau) hat das gute Recht, die im Raum stehenden Vorwürfe für sich persönlich zu bewerten, sich eine Meinung über die Person R. Kelly zu bilden und die eigene Meinung – künstlerisch wie personenbezogen, positiv wie negativ - frei zu äußern. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, und es stehen immerhin ganz gravierende Vorwürfe im Raum.

Andererseits konnten wir, trotz gründlicher Recherchen, hinsichtlich der im Raum stehenden (oder früherer) Vorwürfe keinen Fall finden, in dem solche Anschuldigungen Gegenstand gerichtlicher Feststellung im Rahmen eines Straf- oder auch nur Zivilprozesses waren. Und: auch die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung halten wir für ein hohes Gut, denn es ist in jedem Rechtsstaat den hierfür zuständigen Justizbehörden (ausschließlich) vorbehalten, zwischen erhobenen Vorwürfen einerseits und festgestelltem Unrecht andererseits verbindlich zu entscheiden.“

Der Arenabetreiber warnt vor einer „sozialen Ächtung“ des Künstlers ohne rechtskräftige Verurteilung. Sollte sich allerdings daran etwas ändern, habe man „vertragliche Vorkehrungen getroffen.“

Und was sagen die Ulmer?

Unter dem Post der Arena ist eine Debatte entbrannt. Von „Danke für diese realistische Einschätzung, ich freue mich auf das Konzert“ bis hin zu „Als regelmäßiger Besucher der Arena schäme ich mich dafür, dass R. Kelly dort auftreten darf.“ ist hier ein breites Meinungsspektrum vertreten.

Mediale Aufmerksamkeit ist enorm

Sicher ist: Das Konzert bringt der Ratipharm-Arena eine Menge mediale Aufmerksamkeit. Bundesweite Medien wie „Bild“, „Süddeutsche“ und „Stern“ berichteten bereits darüber.

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