Nach Schließung des „Don't tell Mama“: So steht es um die Ulmer Schwulen-Szene

Für viele war es ein Schock: Mit dem Ende des „Don't tell Mama“ verschwand die letzte Schwulen-Kneipe im Raum Ulm/Neu-Ulm. Seitdem ist die Community stark auseinander gedriftet. Allerdings gibt es auch Grund zur Freude.

Nach Schließung des „Don't tell Mama“: So steht es um die Ulmer Schwulen-Szene

Es ist noch früh am Abend, als Alexander Schwach das Café Pallino betritt. Er setzt sich mit seinem Partner an einen Platz, begrüßt dann die Besitzerin mit einer herzlichen Umarmung. „Eine Weinschorle, bitte“, sagt er lächelnd.

Der 28-Jährige ist hier ein gern gesehener Gast. Jeden ersten Samstag im Monat trifft er sich mit seinen Freunden in dem kleinen Café in der Rosengasse. Gemeinsam glühen sie hier vor, gehen danach auf die „Bi homo bi hetero“-Party ins Rockside.

Trotzdem ist es Schwach wichtig zu erwähnen, dass das Café kein Szenetreff sei. So etwas gebe es in Ulm nicht mehr. „Die Situation ist momentan sehr mau“, stellt Schwach, der seit knapp zehn Jahren in der Community aktiv ist, ernüchtert fest.

Keine Bars mehr in der City

Vor ein paar Jahren war das noch ganz anders. Da gab es in der City das „Home“, das „For Friends“ und die „Wunderbar“. Kneipen, in denen sich Homosexuelle trafen, die Schwulen eine Anlaufstelle boten.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Über die Jahre verschwand eine Bar nach der anderen. Im Frühjahr traf es dann auch Schwach. Er musste seine geliebte Bar „Don’t tell Mama“ in Neu-Ulm schließen. „Es hat sich einfach nicht mehr gerechnet“, sagt er rückblickend.

Die Schließung sei der endgültige Todesstoß für die „LGBTQ“(Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Queere)-Szene gewesen. „In Ulm gibt es keine Community mehr“, sagt Schwach.

Neue Möglichkeiten im Netz

Haben Homosexuelle in Ulm also überhaupt noch die Chance, sich untereinander zu treffen? „Auf jeden Fall“, sagt Schwach. Es gebe zwar keine spezielle Location mehr, dafür umso mehr Möglichkeiten, sich online zu verabreden.

„Man schreibt bei Apps wie ,Gay Romeo’ oder ,Grindr’ und verabredet dann ein Date“, erzählt Schwach. Zudem gibt es in Ulm den CSD-Verein und den Verein „Young and Queer“, der vor allem junge Leute anspricht.

„Ulm ist eine tolerante Stadt“

Neue Möglichkeiten, größere Auswahl - auch das sind Gründe, warum Ulm keine Schwulen-Kneipen mehr hat. Für den Gastronomen Schwach ist das aber kein Problem: „Die Leute sollten da hingehen, wo sie ihren Spaß haben und wo coole Partys sind.“

Eine strikte Trennung brauche es nicht unbedingt - den Ulmern sei dank. „Ulm ist eine Stadt, die sehr tolerant ist“, sagt Schwach. „Es gibt noch genügend Affen, die dumm tun, aber es ist definitiv normaler geworden, schwul zu sein.“

Deswegen hat Schwach nun den Vorsatz: Sollte er noch mal eine Bar aufmachen, dann keine explizite Homosexuellen-Kneipe. Sondern ein Schuppen, in dem „jeder, der Bock hat, reinkommen und mitfeiern kann.“

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