Ausflugstipp: Das Limesmuseum in Aalen wurde komplett modernisiert

Wie lebte es sich als Römer in Schwaben? Und wie gingen einst eine Weltmacht und vermeintlich primitive Germanen wirklich miteinander um? Das runderneuerte Limesmuseum bietet interessante Einsichten.

Ausflugstipp: Das Limesmuseum in Aalen wurde komplett modernisiert

Römische Geschichte wohin man schaut. Am Eingang sogar unter den Füßen: „Wir stehen direkt auf der Mauer des größten Reiterkastells nördlich der Alpen“, sagt Martin Kemkes (55). Die Mauer ist zwar längst weg. Symbolisiert wird sie nur durch einen beschrifteten Bodenstreifen. Doch die Fantasie werde dadurch eher noch beflügelt, findet der Leiter des Limesmuseums in Aalen. „Hier waren 1.000 Reitersoldaten samt Pferden untergebracht, das muss man sich mal vorstellen.“

Zweieinhalb Jahre hat die gründliche Modernisierung und Erweiterung des Museums gedauert. Nach der Zeremonie zur Wiedereröffnung am Freitag mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) steht die Schau von Samstag an wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung - und damit passgenau zur Europawahl am 26. Mai.

Erneuerte Weltkulturerbestätte

Freilich ist der Eröffnungstermin kein Einfall von Brüsseler Bürokraten, sondern dem Bauverlauf geschuldet. Aber die Bedeutung des Limesmuseums für Europa und das Studium seiner Geschichte sollte nach Kemkes' Überzeugung nicht unterschätzt werden. Das spiegele sich im neuen Konzept für das zuerst 1964 eröffnete größte Museum am 550 Kilometer langen Obergermanisch-Raetischen Limes, den die Unesco 2005 in den Rang einer Weltkulturerbestätte erhob.

„Hier wird der Limes als Grenze zwischen der Weltmacht Rom und den Germanen beziehungsweise Kelten erlebbar, aber zugleich als eine Verbindungslinie zwischen ihnen“, sagt Kemkes. Historiker gehen davon aus, dass Rom sich mit den Befestigungsanlagen, Wachtürmen und Kastellen zwar auch schützen, aber durchaus nicht abschotten wollte.

Wie gingen die Römer mit kleineren Völkern um?

Der Limes habe die Möglichkeit eines kontrollierbaren Austausches mit den jenseits davon lebenden Völkern geboten, meint auch Kemkes. „Die Römer waren tolerant gegenüber anderen Kulturen und Religionen, aber sie wollten wissen, wer in ihr Reich kommt und wer es verlässt.“ Das neue Museum helfe bei der Suche nach Antworten auf Fragen wie diese: „Wie ging damals eine Weltmacht mit vermeintlich barbarischen kleineren Völkern um? Und was können wir daraus lernen?“

Anfangs führt die Museumstour, zu der auch das Freigelände mit Überresten des Kastells gehört, in Räume, die das Leben der Römer in Aalen und Umgebung veranschaulichen. Dazu werden Methoden des sogenannten digitalen Storytelling nutzbar gemacht: Vor den Besuchern präsentiert sich eine 1.800 Jahre zurückliegende Welt anhand der persönlichen Lebensgeschichten von sieben Menschen, die tatsächlich in der Aalener Region gelebt haben - Soldaten ebenso wie Zivilisten. Kemkes: „Alles hier wird nun viel besser präsentiert.“

Der „Urvater“ der Shopping-Malls

Pünktlich zur Wiedereröffnung hat Steinmetz Gunter Weinreuter aus Freiberg (Landkreis Ludwigsburg) mit seinem Team etliche Gedenksteine und Statuen wieder aufgebaut. „Die von Trajan gefällt mir besonders gut“, sagte er bei einem Vorabrundgng. Kaiser Trajan (53 bis 117 n. Chr.) gilt wegen der von ihm in Auftrag gegebenen Trajansmärkte in Rom als „Urvater“ der heutigen Shopping-Malls. Die Originalstatue aus Marmor steht zwar im Pariser Louvre. Doch rund 1.200 Stücke, die im neuen Limesmuseum auf 1.500 Quadratmetern gezeigt werden, sind Originalfunde aus der Region.

Das bedeutendste Römermuseum zwischen Schwarzwald, Bodensee und Allgäu sei der Stolz sehr vieler der knapp 70.000 Aalener Bürger, sagt Oberbürgermeister Thilo Rentschler (SPD). Mit ihrer modernen Industrie und ihrer uralten Geschichte sei die Stadt am Rande der Schwäbischen Alb von überregionaler Bedeutung - wie schon vor rund 2000 Jahren. Da reichte die römische Provinz Raetia vom heutigen Schwäbisch Gmünd bis nach Passau in Bayern. Mit Augsburg als Hauptstadt und Aalen als größtem Militärstützpunkt.

Wichtige Überzeugungsarbeit beim Bund

„Mit dem Limesmuseum legen wir Zeugnis ab für die uralte römische Geschichte in unserer Region“, sagt Rentschler (51). „Und wir leisten einen Beitrag für das Projekt Deutsche Limes-Straße mit inzwischen 93 Städten, Märkten und Gemeinden sowie zahlreichen Landkreisen und Touristikgemeinschaften als Mitgliedern.“

Rentschler ist Vorsitzender des Vereins, dessen Geschäftsstelle im Aalener Limesmuseum untergebracht ist. Realisiert wurde das Vorhaben mit Gesamtinvestitionen von rund 8,5 Millionen Euro durch die Stadt, das Land und Bund. „Ganz leicht war es nicht, auch den Bund zu überzeugen, der am Ende 2,6 Millionen aus dem Topf für Projekte von nationaler Bedeutung beigesteuert hat“, sagt Rentschler.

Beliebtes Ziel für Schulklassen

Dass auch künftig rund 40.000 Besucher pro Jahr in das Aalener Limesmuseum kommen, gilt als sicher. 30 bis 40 Prozent waren bislang Schulklassen, zumeist aus Baden-Württemberg und Bayern. „Zum Glück stehen die Römer ja immer noch im Bildungskanon“, sagt Kemkes. Dem Tourismus komme das neugestaltete Museum natürlich auch zugute. „Klar ist aber, dass die Unesco-Auszeichnung als Welterbe kein touristisches Label ist, sondern in erster Linie ein Bildungsauftrag zur Vermittlung von Kulturgeschichte.“ (dpa)

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