Murphy's Law in Ulm: Hinter den Kulissen des legendären „Pub Quiz“

Im verregneten Irland ist das „Pub Quiz“ Teil der Kneipenkultur. Doch auch in Ulms Pub „Murphy’s Law“ ist mittwochs Ratetag. Wolfgang Gehring organisiert das Quiz seit 17 Jahren und sorgt dafür, dass der gesamte Gewölbekeller jedesmal voll ist.

Murphy's Law in Ulm: Hinter den Kulissen des legendären „Pub Quiz“

Typisches Bahnhofsviertel: Spielbar, billige Kneipen, schäbige Häuser. Genau dort, in der Ulmer Keltergasse, gibt es ein paar Stufen, die unter die Erde führen. Komisches Gefühl. Aber hier ist es: das Irish Pub, das Murphy’s Law. Also runter, um die Ecke, weiter runter, um die Ecke, weiter runter… Niemand ist unterwegs.

Das „Pub Quiz“ ist Publikumsmagnet

Dann dringt langsam Geplapper ins Treppenhaus. Erst leise, dann immer deutlicher. Ja, da ist es: Alle Gewölbe der Bar sind proppenvoll mit - vor allem jungen Leuten. Schülern und Studenten. Eine Parallelwelt tut sich auf. Wie Streber sitzen sie an ihren Tischen, stecken die Köpfe zusammen und brüten über Fragen. Sie machen das freiwillig, sie scheinen Spaß zu haben. Einige kommen jeden Mittwoch extra für den Quizabend hier her.

Seit bereits 17 Jahren ist Wolfgang Gehring, 46, im Zweiwochen-Takt dafür verantwortlich. Wenn er sich die Fragen nicht ausdenkt, sondern - so wie heute eines der rund festen zehn Erfinder-Teams, die selbst ansonsten immer mitraten, dann kommt er trotzdem. Ausnahme: Er ist im Urlaub.

Gehring sah Teilnehmern beim Erwachsenwerden zu

Der studierte Informatiker und Mathematiker mit den langen blonden Haaren und der Mini-Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen ist gut drauf. „Das ist echt krass. Kommt mir vor, als hätte ich das ,Pub Quiz’ erst kürzlich übernommen. Aber es gibt Teilnehmer hier, die waren noch ganz klein, als ich damit angefangen habe. Mir macht das immer noch Spaß. Und es ist immer voll - außer im Sommer.“ Werbung muss er keine machen.

10.608 verschiedene Fragen in 17 Jahren

Wolfgang Gehrings Kopf steckt sicherlich voller Wissen. Nach all den Jahren. „Leider vergesse ich auch manches wieder“, gibt er zu. „Aber das wäre mal eine gute Quizfrage: Wie viele Fragen habe ich mir in all den Jahren schon ausgedacht?“ Er lacht, zückt sein Handy und rechnet das kurz aus. Sechs Fragen gibt es immer pro Runde. Vier Runden pro Abend. Da staunt er nun aber selber: „Wow, 10.608!“

Seine lustigste Frage, eine Schätzfrage: Wenn eine Frau zehn Kilometer joggt, um wie viele Zentimeter bewegen sich ihre Brüste hoch und runter? Er betont, es gebe eine vertrauenswürdige Quelle, die auf Durchschnittsbrüsten basiert. Die Bedienung hat geschimpft, sie wurde von Gästen darum gebeten vorzuhüpfen.

Gemischte Teams haben Erfolg

Wo Wolfgang Gehring geht und steht, mit wem er sich unterhält: Der ganze Alltag hält Fragen bereit, die er dann kurz in seinem Handy speichert und die in einer der nächsten Quizrunden auftauchen. Heute hat sich das Team mit dem skurrilen Namen „Küchenparty-Hasser“ die Fragen ausgedacht. Eine gemischte Gruppe. Denn klar ist: Für Erfinder als auch Ratende ist die Mischung das Erfolgsgeheimnis. Heute müssen die Gäste zum Beispiel wissen, dass Blümchen mal mit Lucas Cordalis zusammen war und Annemarie Carpendale mit Otto. Sie müssen auch zuordnen, welche Wappen für welches Haus des „Game of Thrones“-Universum stehen und dass der kalte Entzug von Drogen im Englischen „Cold Turkey“ genannt wird - kalter Truthahn.

Wolfgang Gehring: „Die Fragen sollen ausgewogen sein. Es ist sehr leicht, sehr schwere Fragen zu stellen. Aber es sollen ja auch die schlechteren Teams Erfolgserlebnisse haben.“ Manche Gruppen kommen seit Jahren jeden Mittwoch her: Zum Beispiel „Mit Bestechung“, „Tears For Bears“ und der „Erleuchtete Widerstand“.

Die Gewinner erraten sich Schnaps-Runden

Mit Wissen zu protzen macht Spaß. Das weiß auch Wolfgang Gehrings eigenes Stammteam, Freunde von ihm. Und Topklugscheißer. Einer hat mit ihm Physik studiert, der andere ist Informatiker und der Dritte Beschwerdemanager bei der SWU - Geograf Andreas Ceder, 50. Er sagt: „Das Quiz ist die einzige Möglichkeit nerdiges Wissen in materielles Gut umzuwandeln.“ Denn: Nach jeder Runde gibt es Schnäpse für die Gewinner.

Zudem gibt es eine Pub-Quiz-Liga. Dabei wird das Team ermittelt, das innerhalb eines Vierteljahres am öftesten gewonnen hat. Von 14 Mal haben die Topklugscheißer sechs Mal den Titel geholt. Geballtes Alter und geballtes Wissen zahlen sich also aus.

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