So kämpft der Veranstalter des „Southside Festival“ gegen die Vermüllung

Das „Southside Festival“ verspricht seinen zehntausenden Besuchern eine viertägige Open-Air-Party mit namhaften Bands. Die Veranstalter setzen auf gutes Wetter - und hoffen auf möglichst wenig Müll.

So kämpft der Veranstalter des „Southside Festival“ gegen die Vermüllung

Die Toten Hosen sind dabei, The Cure und die Foo Fighters: Am kommenden Freitag (21. Juni) startet das „Southside Festival“. Bis Sonntag stehen rund 100 Künstler und Bands auf den Bühnen. Für die Besucher bedeutet das: Eine ausgelassene, dreitägige Open-Air-Party.

Rund 60.000 Musikfans erwartet der Veranstalter FKP Scorpio bei Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen). Das entspricht einer mittelgroßen Stadt in Deutschland - und entsprechend viel Müll fällt an. FKP Scorpio rechnet mit rund 200 Tonnen. „Diese Zahl ist auf die Besucherzahl gerechnet übrigens mit dem durchschnittlichen Hausmüllverbrauch pro Kopf in Deutschland vergleichbar“, sagt ein Sprecher. „Sie enthält aber zusätzlich auch Campingabfall wie nicht mehr benutzte Zelte.“ Auch Schlamm und Erde stecke oftmals darin. Aber was passiert eigentlich mit dem Müll?

Eigener Müllbetrieb für Festivals

Was die meisten Besucher gar nicht mitbekommen: Im Hintergrund solcher Festivals - und auch beim „Southside“ - läuft ein eigener Müllbetrieb. „Unser Konzept beinhaltet unter anderem eigene Gewerbehöfe, Recyclingstationen, mehrere separate Müllabfuhren und ein dichtes Netz an Abgabestellen“, sagt der Sprecher. Um Müll im Vorfeld zu vermeiden, gebe es Pfandflaschen und Foodsharing-Angebote, bei denen mitgebrachte Lebensmittel getauscht werden können. Auch der Bereich „Grüner Wohnen“ soll helfen: In dem abgesperrten Areal können Besucher übernachten, die sich im Gegenzug etwa verpflichten, keinen Müll auf den Boden zu werfen.

Müllberge als Erziehungsmittel?

Aber reichen diese Anstrengungen schon aus? „Reichen tut es nie“, sagt Fritz Mielert vom BUND Baden-Württemberg. „Das ist ja die Krux. Es geht immer mehr.“ Grundsätzlich gelte: Bei einem Festival produzierten die Menschen nicht mehr Müll als anderswo. „Aber dort sieht man es. Und man sieht: Was für einen Müll produziere ich eigentlich?“ Das wiederum könne hilfreich sein - wenn es die Besucher der Veranstaltungen zum Nachdenken bringe. „Ein Festival kann sehr gut auf sehr viele Menschen einwirken und eine Bildungsfunktion übernehmen.“

Graffiti-Zelte gegen den Wegwerf-Wahn

Verbesserungspotenzial gebe es vor allem bei der Anreise: „Wie können wir die Autofahrten massiv reduzieren? Ist es möglich, zu sagen: es gibt keine Parkplätze mehr?“, sagt der BUND-Umweltreferent. Um Verpackungen etwa von Getränken oder Essen zu reduzieren, sei Mehrweggeschirr gefragt, dass man vielleicht vor Ort ausleihen könne. „Oder man sagt: Mit dem Ticket gibt es einen Satz Mehrweggeschirr dazu.“ Auch Initiativen wie „Love your tent“ (zu deutsch: Liebe dein Zelt) seien hilfreich. Dabei könnten mitgebrachte Zelte mit einem Graffiti gekennzeichnet werden, um sie zu etwas Besonderem zu machen. „Damit sie nicht nach dem ersten Gebrauch wieder weggeschmissen werden.“

Für den Bürgermeister von Neuhausen ob Eck, Hans-Jürgen Osswald, ist das „Southside Festival“ jedes Jahr eine Herausforderung - nicht nur wegen der Umweltsorgen. Besucher und Mitarbeiter der Veranstaltung kämen zusammen auf rund 70.000 Menschen - die bei einer Gemeinde mit knapp 400 Menschen landeten. „Eine kleine Verwaltung wie unsere kommt dabei nicht an Kapazitätsgrenzen, sondern geht darüber“, sagt er.

Parallel zum „Southside Festival“ findet auch in diesem Jahr wieder das „Hurricane“ im niedersächsischen Scheeßel statt. Der Veranstalter ist derselbe. (dpa)

Info

Noch gibt es Tickets fürs Southside und den Bereich „Grüner Wohnen“. Einige Kartenkategorien sind allerdings schon ausverkauft.

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