SSV Ulm 1846: Heute vor 20 Jahren beschwor Janusz Gora den legendären „Skandal!“

Am 10. September 1999 schrieb der SSV Ulm 1846 Bundesliga-Geschichte. Vier Rote Karten sind bis heute unerreicht. Stürmer Janusz Gora spielte an diesem Abend eine besondere Rolle.

SSV Ulm 1846: Heute vor 20 Jahren beschwor Janusz Gora den legendären „Skandal!“

„Fair Play“ prangte in weißen Lettern auf dem linken Ärmel des Schiedsrichtertrikots von Heribert Fandel. Es sollte an diesem denkwürdigen Bundesliga-Abend nur eine Floskel bleiben. Der 10. September 1999: Der Aufsteiger SSV Ulm 1846 zu Gast bei Hansa Rostock im Ostseestadion. Flutlicht. 20.000 Zuschauer. Eigentlich war alles angerichtet für ein Fußballfest in der Traditionsspielstätte.

Fouls,Fouls, Fouls

Doch die Geschehnisse im Stadion wirkten an diesem Abend so, als hätte der römische Feldherr Julis Caesar persönlich zum Gladiatorenkampf geladen. Zum ersten Showdown kam es kurz vor der Halbzeitpause: Beim Stand von 1:0 für die Hausherren streckte SSV-Stürmer Hans van de Haar in gelber Rüstung - äh … im gelben Trikot - nahe der Mittellinie einen Hansa-Akteur nieder. Die erste Gelb-Rote Karte des Spiels.

Blutgrätsche gegen Viktor Agali

Wie es sich für die Dramaturgie eines echten Römer Spektakels gehört, wurde es in der zweiten Halbzeit noch viel brutaler. Uwe Grauer, Spatzen-Verteidiger, senste im Mittelkreis Viktor Agali in der 59. Minute um. Ein paar Zentimeter über der Grasnarbe segelte er mit gestrecktem Fuß dahin, sodass er den baumlangen Stürmer am rechten Knöchel traf. Die zweite Gelb-Rote Karte - eine freundliche Geste Fandels, der für diese Blutgrätsche auch gut und gerne glatt Rot hätte zeigen können.

Ulmer Spatzen sehen Rot

Joachim Stadler, der Abwehrchef der Spatzen, setzte sich kurze Zeit später schließlich in Szene, indem den angeschlagenen Agali mit einem Ellenbogenschlag zu Boden beförderte. Doch Glück für die Spatzen: Schiedsrichter Fandel hatte die Aktion nicht registriert.

Dafür war der Referee an anderer Stelle umso penibler: Mitte der zweiten Halbzeit schickte Fandel Trainer Martin Andermatt und Manager Erich Steer Mitte der zweiten Halbzeit auf die Tribüne.

Dabei sollte es nicht bleiben: Wenig später packte der SSV-Spieler Evans Wise die Sense gegen Gegner Peter Wibra aus. „Wumms“ - schon lag der nächste Rostocker Kontrahent auf dem Boden. Die Folge: Rot von Fandel, was sonst?!

Unfassbarer Ausgleich

So ganz nebenbei wurde auch noch Fußball gespielt. In der 79. Minute zimmerte Janusz Gora die Kugel für die acht verbliebenen Kämpfer von der Donau ins Rostocker Gehäuse. Schreie von den Rängen, Jubel in der Gästekurve. Danach: laufen, sprinten, fighten. Die Akteure auf dem Rasen wuchsen über sich hinaus.

Doch in der 90. Minute war er wieder da: Hansa-Angreifer Viktor Agali. Er drückte das Spielgerät nach glücklicher Vorarbeit zum 2:1 über die Linie.

In der Nachspielzeit ließ SSV-Spieler Janos Radoki seiner Wut freien Lauf und grätschte als letzter Mann einen Hansa-Angreifer um. Der nächste Platzverweis, mittlerweile schon fast Routine bei den schwäbischen Haudegen.

Vier rote Karten und eine bittere Niederlage - der Unmut der Gladiatoren im gelben Gewand war verständlich. Einige Hansa-Ordner versuchten, die Situation in den Griff zu bekommen. Doch Stürmer Gora verschaffte sich Gehör. Im Interview am Spielfeldrand brachte er die Geschehnisse auf den Punkt: „Skandal!“, rief Gora und räumte dabei einen Rostocker Sicherheitsmann aus dem Weg.

Ein Fußballspiel, das Geschichte schrieb und über das man bis heute gerne redet. Vier Platzverweise sind in der höchsten deutschen Fußball-Liga einmalig.

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