Drohungen und körperliche Angriffe! Eine Ulmer Politesse packt aus

Politessen rangieren auf der Beliebtheitsskala vieler Autofahrer nicht gerade weit oben. Das bekommt auch Andrea Schunk aus Ulm in ihrem Arbeitsalltag regelmäßig zu spüren.

Drohungen und körperliche Angriffe! Eine Ulmer Politesse packt aus

Andrea Schunk, 49, zieht gerne ihre dunkelblaue Dienstjacke mit dem Ulmer Wappen an und geht auf Tour. Sie ist für die Stadt Ulm in der „Parkraumüberwachung“ tätig. Das heißt: Sie kontrolliert parkende Autos in einem bestimmten Gebiet, das ihr wechselnd zugeteilt wird. „Viele Leute kennen mich und grüßen“, sagt sie. Und ja, sie freuen sich richtig. „Endlich kommt auch mal jemand zu uns!“, heiße es dann. Das sind die, die wilde Parkerei in ihrer Straße satt haben.

Die miesen Tricks der Parksünder

Dann gibt es aber natürlich noch die, die einen Satz machen, wenn sie Andrea Schunk erspähen, kurz schuldbewusst überlegen, ob ihr Auto noch parken darf, die losrennen („Manchmal renne ich dann auch zum Spaß mit“), die diskutieren und schimpfen. Vor allem Jugendliche reagieren zunehmend respektloser, so die Beobachtungen der Politesse. „Kürzlich hatten welche ihr Auto in einer Feuergasse geparkt. Als ich es dann aufschreiben wollte und sie das sahen, wurden sie laut. Einer fuhr nah an mich ran, andere legten sich vors Kennzeichen.

Von Jugendlichen in einen Hauseingang gedrängt!

Einen anderen, der sich einen Behindertenausweis zum Parken geliehen hatte, musste sie wegen dieses Betrugs anzeigen. Er verfolgte sie mit seinem Auto und schrie hinterher: „Du nichtsnutzige Fotze!“ Massive Töne, die die Politesse nicht unberührt lassen. Doch es geht noch schlimmer: Eine Kollegin sei von Jugendlichen in einen Hauseingang gedrängt worden. Daran leide sie noch immer. So schlecht findet es da Andrea Schunk nicht, dass sie nicht in Ulm wohnt. Genauso wenig, dass sie im Winter von 16 Uhr an nur im Team losgeschickt werden dürfen. Immer ein Mann muss dabei sein. Gibt es das unter den Politessen überhaupt? Und wie heißt der dann? Poli…? Politeur! Davon sind bei der Stadt Ulm vier angestellt, zehn sind Politessen.

„Wir haben nichts davon, wenn wir viele Parksünder erwischen.“

Viel Fingerspitzengefühl sei nötig, man könne durch die richtige Gestik und die richtigen Worte viel erreichen, erzählt Schunk. Sie hat eine ruhige, freundliche, aber bestimmte Art. Es hilft ihr auch zu wissen: „Die Leute sind ja meistens nicht direkt auf uns sauer, wenn sie einen Strafzettel bekommen, sondern auf sich selbst, weil sie riskiert haben, ihr Auto mal schnell irgendwo hinzustellen.“ Es kommt selten vor, dass sie beschimpft oder beleidigt wird. „Aber es kommt vor.“ Ein dickes Fell hat sie sich zugelegt.

So macht Schunk Dauerparkern einen Strich durch die Rechnung

Es ist aber auch nicht so, dass sie nicht auch mal mit sich reden lässt: „Wenn jemand einen Schein gelöst hat, zehn Minuten drüber ist und dann gerade ankommt, drücke ich schon Mal ein Auge zu. Oder wenn jemand beim Arzt länger warten musste.“ Wer aber von vornherein keinen Schein holt, erhält kein Pardon. Auch zu einem Trick muss sie manchmal greifen, um Dauerparker auf Parkplätzen mit begrenzter Parkdauer zu verwarnen. Um festzustellen, ob das Fahrzeug wirklich bewegt wurde, macht Andrea Schunk den Ventilcheck. Sie notiert die Position des Reifenventils im Vergleich mit einem Uhrenziffernblatt. Steht das Ventil nach Stunden immer noch exakt gleich, etwa auf „drei Uhr“, ist das Auto ganz klar nicht bewegt worden.

Strafzettel - eine wichtige Geldquelle für die Stadt Ulm

Manche Politessen und Politeure machen in Städten ihre Arbeit so überkorrekt, dass man glauben könnte, sie kassierten Provision. Da lacht Andrea Schunk nur. „Ne, wir haben gar nichts davon, wenn wir viele Parksünder erwischen.“ Keine Erfolgsprämien. 2017 haben sie und ihre Kollegen des Ordnungsamts Ulm etwa 120.000 Parksünder erwischt und damit rund 1,7 Millionen Euro für die Stadt erwirtschaftet. Aber ein bisschen Sammler-und-Jäger-Freude, wenn sie in ein bestimmtes Gebiet kommt, das für Falschparker berüchtigt ist? „Nein.“ In Ulm seien die Falschparker im gesamten Innenstadtbereich ohnehin gleichmäßig verteilt, eigentlich überall. Allerdings herrscht zwischen Mitte November und Weihnachten Hochsaison - dann, wenn die Parkhäuser um zehn Uhr voll sind wegen der Weihnachtseinkäufer. In den Sommermonaten dagegen geht’s entspannter zu. (Isabella Hafner)

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