Warum dieser Ulmer auf seiner Weltreise immer ein Spätzlebrett dabei hat

Seit 2017 ist der Ulmer Philipp Zey mit seinem Fahrrad unterwegs - er unternimmt eine Weltreise. Sein kurioses Gepäck: ein Spätzlebrett, eine Posaune und ein Golfschläger.

Warum dieser Ulmer auf seiner Weltreise immer ein Spätzlebrett dabei hat

Am 11. Juli 2017 steigt der Philipp Zey an der Donauquelle in Donaueschingen aufs Rad. Flussab fährt der 34-Jährige das Gewässer entlang, bis es in Rumänien im Schwarzen Meer mündet. Für den Fluss ist hier Schluss, für Zey hingegen noch lange nicht. Über die Ukraine und Russland verschlägt es ihn in ein georgisches Kloster. Silvester feiert er auf Sri Lanka. Zey bereist Indien und Südostasien, ehe er an der australischen Südküste zum Arbeiten und Geldverdienen Station macht. Nach einem Neuseeland-Abstecher ist der Weltenbummler nun in Südamerika.

Erst Europa, dann die ganze Welt

Dass er in seinem Leben mal die Welt bereisen werde, war für Zey schon lange klar: „Wenn man in die immer gleichen Spelunken geht und die immer gleichen Gesichter sieht, geht einem das irgendwann auf den Keks“, findet er. „Und nachdem ich Europa größtenteils abgereist hatte, war die Weltreise für mich der konsequente nächste Schritt.“ Bislang hat er dabei mehr als 20.000 Fahrradkilometer zurückgelegt, täglich werden es 80 mehr. Sein Fahrrad „Jolly Jumper“, benannt nach dem Pferd des Comichelden Lucky Luke, ist für den Weltreisenden viel mehr als ein bloßes Transportmittel.

Nicht Tourist, sondern Kulturbotschafter

Das Fahren macht Zey zur meditativen Übung: „Ich blende alles aus und konzentriere mich voll auf meine Bewegungen und die Straße.“ Der frühere Kulturreferent der Universität Ulm begreift sich auf seiner Reise nicht als Tourist, vielmehr als Kulturbotschafter. Sein Ziel: „Ich will mit den Menschen, denen ich begegne, mein Essen und meine Musik teilen.“

Das Spätzlebrett

Während seines Studiums jobbte Zey im Jazzkeller „Sauschdall“. Von Freunden und Bekannten für seine schmackhaften Kässpätzle gelobt, nahm sich der Diplom-Physiker bald der Verpflegung der Musiker an. Er begann die Bands im Sauschdall zu „bespätzeln“. Auf seiner Reise bedient sich Zey nun seiner kulinarischen Spezialität: Gastgebern schabt er zum Dank frische Kässpätzle. Das anfängliche Heimweh ist mittlerweile verflogen, deutsches Essen und seine Freunde aus der Heimat fehlen ihm aber weiterhin. „In Buenos Aires habe ich letztens Sauerkraut und Schupfnudeln gegessen, das war großartig“, blickt Zey zurück. Mit einigen seiner Freunde hält er über das Internet Kontakt. Er freut sich immer zu hören, „welche Konzerte sie besucht haben und was sich sonst in ihrem Leben tut.“

Die Posaune

Musik hatte in Philipp Zeys Leben schon immer einen ganz besonderen Stellenwert inne: „Sie ist wie Luft, die ich zum Atmen brauche.“ Der passionierte Posaunist sieht Musik als Mittel, um kulturelle und sprachliche Barrieren zu überwinden. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, spielt und improvisiert er zusammen mit einheimischen Musikern.

Hier und da versucht sich der Weltenbummler auch als Straßenmusiker. „Meine Jazzstandards kennt nur leider keine Sau“, sagt Zey lachend. „Die Leute wollen lieber bekannte Stücke wie die Pink-Panther-Melodie oder Despacito hören.“ Sein Instrument ist ihm auch in dunklen Tagen ein treuer Begleiter: Als in Südamerika großflächig der Strom ausfiel, stellten er und sein Mitbewohner Juan in ihrer Wohnung in Buenos Aires Kerzen auf – und musizierten. „Wir haben das Beste draus gemacht: Wir haben Musik gemacht.“

Der Golfschläger

Vor einigen Jahren sah Zey mit seinem Bruder Jörg im Fernsehen den James-Bond-Klassiker „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Damals kündigte er großspurig an, dass er auf der Insel des Film-Bösewichts Francisco Scaramanga mal einen Golfball schlagen werde. Gesagt, getan: Auf dem Weg von Thailand nach Singapur besuchte Zey den Drehort und schlug den Ball.

Vor allem eins hat er gelernt: „Ain’t No Mountain High Enough“ Im Frühling strandete der Ulmer mit gebrochenen Speichen und einem Riesenachter im Rad an der neuseeländischen Westküste - eine raue Region, spärlich besiedelt und überzogen von eisigen Gletschern. Der nächste Fahrradladen: 200 Kilometer weit weg. Doch Zey weigerte sich zu resignieren. Er lief zum nächsten Dorf und schilderte an einem Kaffeestand seine Notsituation. Und siehe da: Eine Gruppe mit Geländewagen nahm sich seiner an.Mit seinem reparierten Rad setzte er das Abenteuer fort …

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit swp.de, Autor ist Jannik Sauer.

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